Und sonst Niemand!!

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Snapshot Bildung und Schule
Projektbeschreibung

Unser Winter-Theaterprojekt auf einen Blick

In der Winter-Open Air-Produktion „Geiz-Hals“ spielen Bürger*innen jeden Alters gemeinsam mit professionellen Schauspieler*innen Theater. Das Stück soll eine generationsübergreifende Auseinandersetzung mit dem Themenspektrum der Selbstsucht bilden. Ausgehend von der literarischen Vorlage – Eine Weihnachtsgeschichte und unter Berücksichtigung regionaler Geschichte(n) kreist das Projekt um die inhaltlichen Schwerpunkte Habgier, Armut und Verlust gesellschaftlicher Grundwerte – und Strukturen. 

Detaillierte Projektbeschreibung

Der Verein „Theater in den Bergen e.V.“ (TIDB) lädt die Zuschauer*innen in seinem Stadt-Theaterprojekt ein, die Gassen und Höfe Schopfheims neu kennenzulernen: Die Stadt Schopfheim, die in der südwestlichen Peripherie Deutschlands, kurz vor der Schweizer Grenze liegt, war Jahrhunderte lang zivilisatorischer Kristalisationspunkt des Schwarzwaldes. Zu einer „Schlafstadt“ geworden, die kulturelle Highlights vermissen lässt, kämpft sie heute mit dem Problem fehlender Aufmerksamkeit. Sie ist (nur noch) ein Ort voller Geschichte(n), die das TIDB aber im Zuge der Adaption „Geiz-Hals“- der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens- an ausgewählten Orten der Stadt, in die Inszenierung um Armut, Selbstsucht und Geiz integrieren möchte. Die Handlung um einen „raffgierigen Geldverleiher“, der ein unfassbares Vermögen besitzt und trotz aller ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, bedürftigen Menschen seine Hilfe verwehrt, bildet den Ausgangspunkt für die thematische Auseinandersetzung unserer Theatergesellschaft mit sozialen Grundwerten im Zuge einer sich zuspitzenden humanitären Krise und eines sich real extrem ungleich verteilenden Reichtums. In der geplanten Inszenierung soll es nicht primär um das Thema Reichtum gehen, sondern vor allem um den Verlust von Reichtum an Menschlichkeit. Die anvisierte Geschichte befasst sich mit der Einforderung - und gleichzeitigen Auflösung ethischer Grundsätze, mit Moral, Gemeinsinn und mit verschwindenden menschlichen Werten zugunsten eines trügerischen Wohlstands. Innerhalb der Dickensschen Weihnachtsgeschichte gibt es eine klare »Botschaft«: Der Mensch kann sich kraft seines Ich zum Besseren verändern. Es geht um soziale Kompetenzen und einen Wertekanon, den der Mensch verlernt- aber auch wieder erlernen kann, indem er Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt. Indem wir die Verwandlung des Protagonisten und der ihn umgebenden Lebenswelt zeigen und Schritt für Schritt nachvollziehen, können wir ihn im Laufe des Stücks und seiner Entwicklung am Ende als Vorbild erleben und uns mit ihm identifizieren. Durch das Einbringen der Überzeugungen und Erfahrungen Beteiligter, möchte das TIDB in der Inszenierung eine Brücke bauen, die gesellschaftliches Engagement positiv bewertet und durch den im Stück geplanten aktiven Austausch von SpielerInnen und Publikum, eine Selbstwirksamkeitserfahrung jedes einzelnen spürbar macht, die dieses Engagement der MitstreiterInnen direkt wiederspiegelt. 

Erwartete Wirkung 

Die Wirkung des Projektes geht mit der Form der Inszenierung einher. Die Theaterform besetzt den öffentlichen Raum durch seine fiktive Gestaltung. Es ist angedacht, den Plätzen und Ladenlokalen eine vorübergehende alternative Realität entgegenzusetzen, die in konkreten Szenen das Thema von Armut und Reichtum beleuchtet. Es soll ein soziales Regelwerk transparent werden, das wir innerhalb unserer Gesellschaft akzeptieren, aber durch seine Geschlossenheit und Komplexität sonst nur subtil wahrnehmen. In dieser theatralen Welt wird mit deutlichen Bildern und unmittelbaren Szenen zwischen den ZuschauerInnen aufgezeigt, wer Profiteur und wer Verlierer eines zum überwiegenden Teil auf pekuniären Werten aufgebauten Systems ist. Dargestellt durch Menschen unterschiedlichen Alters - die ein fiktives, aber ebenso reales Volk verkörpern und für die Zeit der Aufführung aus der Gesamtbevölkerung heraustreten - spielt hier das „Volk“ für das Volk. Es verstärkt durch seine natürliche Authentizität ein „Realbild“ - und vermittelt zusammen mit Profis die Geschichte einer Familie, die kurz vorm Verhungern ist und deren wohlhabende Verwandte keine Hilfsbereitschaft zeigen. Daraus resultiert in Kombination mit der Alltagsumgebung unserer Gäste, ein Theater, das auf klassische Bühnensituationen verzichtet, Alltagsorte als Spielorte begreift, Reales mit Fiktionalem vermischt und als kritischer, kontrapunktischer Weihnachtsspaziergang die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt.

Projektträger
TheaterindenBergen
Antonia Tittel
Äckereweg 15
79685 Häg-Ehrsberg
Deutschland
Themenfeld
Region, Partner
Infos
Zuletzt geändert: 
30.11.2022 - 10:58
Inhaltstyp: 
projekt
Beitrag Id: 
261784