D-Brane (Erstlingswerk)

D-Brane (Erstlingswerk)

Projektbeschreibung

Die Kernidee beim Erstlingsprojekt der Physikertheater Karlsruhe Kurzfilmgruppe war es, die zahlreichen Produktionsschritte bei der Erstellung eines Kurzfilms in einer Gruppe zu erlernen, in der jeder mitmachen und seine persönlichen Stärken einbringen kann. Als inhaltliche Grundidee wurde das Thema der Bedeutung wissenschaftlicher Ethik und Prioritäten umgesetzt.

Als Laientheater ist das Physikertheater Karlsruhe eine offene Gruppierung, in der kein fachliches Vorwissen wie etwa Schauspielschule oder Kulissenbau erforderlich ist, um sich in diesen Fertigkeiten zu üben. Außerdem ist das Theater, trotz seines Namens, nicht auf Physiker oder überhaupt auf Studenten beschränkt, sondern richtet sich generell an junge Menschen, die sich von der Idee bewegen lassen.
Diese Offenheit und Modularität sollte auch in der Kurzfilmgruppe erhalten bleiben. Das Projekt diente folglich dazu, in einer Zusammenarbeit vieler diverser Einzelideen ein Drehbuch zu schreiben, Schauspiel und Regieführung zu koordinieren, Licht- und Kameratechniken zu erproben, technische Hilfsmittel und Computersoftware von Grund auf zu erlernen. Besonderes Anliegen in diesem Projekt war, die Kreativität der einzelnen Teammitglieder zu betonen, indem das gesamte Wissen nicht etwa trocken aus Lehrbüchern oder vorherrschenden Standards kopiert wird, sondern in einer ausdauernden Gemeinschaftsarbeit erarbeitet wird.
 

Das gesamte Projekt hat während seiner Zeit einmal den kompletten Zyklus einer Filmproduktion durchlaufen. So stand zu Beginn die Frage zu Umfang, Form und Inhalt des Kurzfilms. Hierfür wurden ausgedehnte Gruppentreffen abgehalten, in denen nach basisdemokratischer Weise über Vorschläge diskutiert und deren Machbarkeit abgewägt. So entstand nach und nach ein roter Faden für den Film. Festzustellen ist auch, dass viele bisher unbekannte Menschen für das Projekt zu begeistern waren, da für die Treffen öffentlich eingeladen wurde, damit es eine große Vielfalt an Ideen gibt. Diese waren sehr divers, womit die Treffen auch zu einer spannenden Übung in Sachen Projektmanagement wurde. Die regen Diskussionen führten schon in der ersten Phase zu dem Schluss, dass man sich aufgrund des Lernzuwachses ein schwieriges Vorhaben setzen wollte und einen Film anzugehen, der sich der Green-Screen-Technik, wie sie in professionellen Produktionen eingesetzt wird, zu bedienen, so gut möglich.

Nach und nach konnte nun eine kreative Geschichte zusammengestellt und in einer Art Drehbuch aufbereitet werden. Im Rahmen dessen wurde außerdem erschlossen, welche Arbeitsgebiete es überhaupt gibt, und für welche Aufgaben sich die Beteiligten jeweils zuständig fühlten. Zu betonen ist dabei, dass es keine klare Abspaltung der Gruppen untereinander gab, so dass jeder vom Austausch und der gegenseitigen Unterstützung profitieren konnte. So kam es zur Bildung von Schauspieltruppe, Kamera/Ton-Team, Maske, Kulissenbauern.

Die Dreharbeiten selbst wurden mit einer aus privaten Mitteln angeschafften Kamera durchgeführt und konnten Anfang 2013 abgeschlossen werden.

Von vielen Beteiligten wurde festgestellt, wie stark die Arbeit an Filmen sich von dem Schauspiel im Theater unterscheidet. Aus diesem Grund war das Projekt auch für diejenigen eine Bereicherung, die im Physikertheater schon Übung im Schauspielen hatten. Das Green-Screen-Verfahren erforderte viel Vorstellungsvermögen über die eigene Umgebung, in der Ausleuchtung der Räume, und führte insbesondere viel Nachbearbeitungsarbeit mit sich. Darüber hinaus bot das Erstlingsprojekt die Chance, eigene Musik zu komponieren und die nötige Videoschnittsoftware bedienen zu lernen. Zusätzlich dazu konnte der Umgang mit 3D-Modellierungswerkzeugen geübt werden, was in einer größeren Gruppe deutlich effizienter abläuft als in Einzelarbeit. Die Modellierung wurde im Film dazu eingesetzt, einen künstlichen Raum zu schaffen, in dem die Handlung spielt, um dort interessante, nicht reale Effekte zu simulieren. Dem Umfeld der jungen Physikstudenten entsprechend wurde die Idee umgesetzt, in einem Labor ein Experiment zu betreiben, das unsere Raumzeit krümmt und mit den Kopplungskonstanten, die die Materie zusammenhalten, zu spielen. Dies zog lehrreiche Erfahrungen mit sich und machte deutlich, wie viel Arbeit allein in der Produktion eines 20-minütigen Films in der Nachbearbeitung stecken kann.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass sich das gesamte Team an den Grundsatz halten konnte, frei zugängliche Software zu verwenden. Dies beinhaltete die open-source-Lösungen der Projekte blender zur Videobearbeitung und Modellierung, sowie postfish und LMMS für Sound und Musik. Letztere konnte mit komplett frei zugänglichen virtuellen Instrumenten und auch eigenen Aufnahmen realer Instrumente gelingen. Weiterhin zu bemerken ist die Administration einer eigens aufgebauten BOINC-Plattform (ein freies System, um auf Privatrechnern verteiltes Rechnen zu ermöglichen), da einige besonders computeraffine GeMitglieder dies als beste möglichkeit für effiziente Modellierung der Räume und Lichteffekte erarbeitet hatten.

Das wesentliche Ziel des Projekts lässt sich wohl darin realisiert sehen, dass die Gruppe dynamisch an die neuen Herausforderungen herantrat und offen gegenüber den Einflüssen aller Interessierten war. Es zeigt weiterhin, dass es sich auszahlt, sich als Team schwierigen Problemen zu stellen, um sie dann gemeinsam zu lösen. Diese Tatsache an einem praktischen, inzwischen 18-monatigen Projekt zu erfahren, stellt einen großen Gewinn für die Beteiligten dar.

Mit dem dazugewonnenen Wissen, den geknüpften sozialen Kontakten und dem aus Fördermitteln angeschafften Kulissenmaterial (wie beispielsweise der grüne Molton für den Green Screen), ist eine gute Grundlage für zukünftige Projekte geschaffen. So wurden bereits in der Produktion des vorliegenden Kurzfilms immer wieder Ideen geäußert, die aufgrund ihrer Vielfalt bisher nicht alle umgesetzt werden konnten.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei der Jugendstiftung Baden-Württemberg für die Förderung bedanken, da ohne die nötigen Anschaffungen der schöpferische Geist der Kurzfilmgruppe sehr beschränkt hätte werden müssen. Wir hoffen, dass unser Projekt auch für andere Gruppierungen, z.B. in Schulen, beispielhaft wirkt, um unabhängig von einer bestimmten Idee so eine Zusammenarbeit verschiedenster Menschen zu motivieren.
 

Projektträger
Physikertheater Karlsruhe e.V.
Engesserstraße 7
76131 Karlsruhe
Deutschland
Medien
Video
D-Brane
Teilen