Renaissance Herzogenried – Kunst und Begegnung im Stadtteil
Das Kunstprojekt „Renaissance Herzogenried“ hatte ein klares Ziel: Das demokratische Zusammenleben im Mannheimer Stadtteil Herzogenried durch kreative Angebote und Begegnungen auf Augenhöhe zu stärken. Was als Idee für einen offenen Atelierraum begann, entwickelte sich von Mai 2025 bis Juli 2026 zu einem lebendigen, intergenerationellen Treffpunkt im Quartier.
Rückblick: Der tatsächliche Projektverlauf
Ankommen & Aktivieren im Quartier (Mai – September 2025): Statt starr auf Aufrufe zu warten, setzte das Team von Beginn an auf aufsuchende Arbeit. In persönlichen Gesprächen auf den Straßen und Plätzen des Herzogenrieds wurden die Interessen der Jugendlichen erfragt. Gemeinsam richteten sie die ersten Räumlichkeiten im Kultur Point her und füllten sie mit Leben.
Kreative Entdeckungen (Oktober – Dezember 2025): Über persönliche Kontakte formierte sich zügig eine Kerngruppe. Unter Anleitung des Künstlers Emre Yazar (Studio E Y P D & A) erkundeten die Jugendlichen ihr Viertel mit Einwegkameras, lernten entschleunigtes, bewusstes Fotografieren und unternahmen erste Schritte im Zeichnen. Als die Räume im Kultur Point im Dezember überraschend schlossen, hielt das Team den Kontakt über Treffen im öffentlichen Raum aufrecht.
Ein neuer Raum im Herzen des Quartiers (Januar – März 2026): Mitte Januar bezog das Projekt einen neuen, zentral gelegenen Ladenraum. Dieser Standortwechsel gab dem Projekt neuen Schwung: Durch die großen Schaufenster wurde die künstlerische Arbeit im Stadtteil direkt sichtbar. Zudem wurden die Termine flexibel auf das Wochenende verlegt, um den Bedürfnissen der Jugendlichen entgegenzukommen.
Sichtbarkeit, Dynamik & freies Arbeiten (April – Juni 2026): Das Atelier entwickelte eine enorme Anziehungskraft: Bei Mitmach-Aktionen vor der Tür – wie dem Gestalten von Textilbannern oder Kreidekunst zu Renaissance-Architektur – nahmen regelmäßig bis zu 30 Personen teil. Die Jugendlichen setzten zunehmend eigene, freie künstlerische Ideen auf Papier und Leinwand um.
Vernissage & Würdigung (Juli 2026): Am 16. Juli 2026 fand die feierliche Abschlussausstellung statt. Die jungen Künstler*innen präsentierten ihre Werke stolz der Nachbarschaft und gaben authentische Einblicke in ihre Lebenswelt im Herzogenried.
Zielgruppe & erreichte Wirkung
Ursprünglich war die kontinuierliche Arbeit mit einer festen Gruppe von 12 bis 15 Teilnehmenden geplant. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass die Lebensphase Jugend von vielen Unbeständigkeiten geprägt ist und flexible Zugänge erfordert: Über 30 Jugendliche (überwiegend männlich, im Alter von 12 bis 20 Jahren) wurden aktiv erreicht. Neben einem festen Kern von etwa 6 Personen klinkten sich verschiedene Kleingruppen phasenweise ein.
Intergenerationelle Begegnungen: Durch die prominente Lage am Brunnengarten öffnete sich das Atelier spontan auch für Kinder, Familien, Geschwisterkinder sowie Senior*innen aus der Nachbarschaft. So entstand ein echter Ort des generationenübergreifenden Austauschs. Wodurch sich die Strahlkraft über die oben genannten 30 Jugendlichen hinaus weiter potentierte.
Was den Ansatz besonders macht
Atelier für Nichtkünstler*innen: Kunst ohne Schwellenängste und ohne Leistungsdruck – alle Interessierten konnten ohne Vorkenntnisse einsteigen und experimentieren.
Künstlerisches Mentoring: Mit Emre Yazar stand den Teilnehmenden ein professioneller Künstler zur Seite, der technische Fertigkeiten vermittelte und als Ansprechpartner auf Augenhöhe agierte.
Niedrigschwellige Beziehungsarbeit: Vertrauen entstand nicht durch Flyer, sondern durch die kontinuierliche Präsenz im Stadtteil und das gemeinsame Handeln.
Nachhaltigkeit & Ausblick
Mit der Vernissage im Juli 2026 schloss „Renaissance Herzogenried“ seine Türen – die geschaffenen Netzwerke und Impulse wirken jedoch nachhaltig im Quartier fort:
Alle Kunstwerke gingen nach der Ausstellung in den persönlichen Besitz der Jugendlichen über.
Die verbliebenen Arbeitsmaterialien sichern nun das ehrenamtliche Projekt „Atelier Kunst und Natur“, in dem jüngere Kinder weiterhin kreativ tätig sein können.
Für die Jugendlichen knüpft seit dem Sommer 2026 das aufsuchende Projekt „Schattenwerk“ an, das kreative Ausdrucksformen mit dem Thema Klimawandel im Stadtteil verbindet.