Videoreportagen "Anders sein"

Videoreportagen "Anders sein"

Snapshot Ausbildung und Beruf
Projektbeschreibung

Bericht Videoworkshop

Grunddaten

Zeit
02.04.2012, 03.04.2012, 23.06.2012
jeweils 10 – 17 Uhr

Ort
Beratungsstelle des Rems-Murr-Kreises für Familien und Jugendliche Bahnhofstraße 64 71332 Waiblingen

Teilnehmer:
8 Jugendliche zwischen 14 – 15 Jahren

5 Mädchen, 3 Jungen
Bildungshintergrund: Realschule, Gymnasium
keine bis wenige Vorerfahrungen in der Videoarbeit

Referenten:
Robert Rymes, Kreisjugendring Rems-Murr e.V.
Sabine Pester, Kreisjugendring Rems-Murr e.V.
Anna Ross, freischaffende Journalistin

Outputs:
4 Videoreportagen
Fotos
1 Storyboard
Teilnehmerliste
2 Presseartikel

Ziel des Workshops

Die TeilnehmerInnen sollten lernen selbstständig kurze Videoreportagen zu planen, zu drehen und zu schneiden. Dabei sollten sollten sie sie Menschen portraitieren, die anders sind, also von der Merheit abweichen. Die Ergebnisse wurden beim diesjährigen lokalen Jugendfilmfest des Jugendamts des Rems-Murr-Kreises eingereicht, bei dem oben genanntes Thema gesetzt war.

Der Workshop

Vorbereitung
Die TeilnehmerInnen wurden eine Woche im Voraus angewiesen, sich mögliche Themen zu überlegen und geeignete Personen für ihren Film zu finden.

02.04.2012
Einstieg: Interkulturelles Training

Zu Beginn des Workshops fand ein zweistündiges interkulturelles Training statt. Ziel war, die TeilnehmerInnen für das Thema „Anders sein“ zu sensibilisieren. Die interkulturelle Trainerin Sabine Pester führte folgende Übungen durch:

Othering: Die TeilnehmerInnen wurden zwei Gruppen zugeteilt (z.B. Stadt-, Landbewohner). Danach sollten sie sich überlegen, welche Eigenschaften sie sich selbst und der anderen Gruppe zuschreiben würden. Ziel der Übung war die Erkenntnis zu vermitteln, dass Gruppenidentitäten durch Betonung der Unterschiede und nicht der Gemeinsamkeiten geschaffen werden.

Über die Linie: Die Trainerin fragte die TeilnehmerInnen verschiedene Eigenschaften ab. Falls diese bejaht wurden, mussten die TeilnehmerInnen über eine Linie treten. Die TeilnehmerInnen sollten erspüren, wie es sich anfühlt „anders zu sein“.

„Mich hat voll geschockt, wie Fernsehnachrichten produziert werden.“

Einführung: Videoreportage

Als Einstieg wählte die Referentin das Prinzip der Filmmontage. Einige TeilnehmerInnen zeigten sich sehr überrascht, auf welche Art und Weise Fernsehreportagen entstehen, so z.B. dass es Gang und Gebe ist, zeitlich von einander unabhängige Aufnahmen (z.B. Redner und applaudierendes Publikum) miteinander zu verknüpfen und so den Anschein einer chronologischen Abfolge zu suggerieren. Nina (15): „Mich hat voll geschockt, dass vieles, was in den Fernsehnachrichten gezeigt wird, gar nicht genau so statt gefunden hat.“

Die freischaffende Journalistin Anna Ross führte die TeilnehmerInnen anschließend in die Grundkenntnisse der Kameraarbeit eines Videojournalisten ein:
5-Shot-Technik (Totale, Halbtotale, Halbnahe, Nahe, Wow-Shot)
Perspektiven (Vogel, Frosch, Augenhöhe)
Bildränder (Nasenraum, Goldener Schnitt, Bildrandabstand)
Dabei wurde der Fokus ausschließlich auf ästhetisch-formale Aspekte der Bildgestaltung gerichtet, die im automatischen Kameramodus umsetzbar sind. Auf die Gestaltungsprinzipien, die manuelle Kameraeinstellungen benötigen, wie z.B. Tiefenschärfe, wurde verzichtet. Dies war ein bewusster Schritt, da es sich in vergangenen Workshops zeigte, dass neben der Achtung der Gestaltungsprinzipien, die technische Bedienung der Kamera die TeilnehmerInnen überforderte.

Die Theorie setzten die TeilnehmerInnen anschließend in unterschiedlichen Übungen in die Praxis um.

Zum Schluss der ersten Workshopeinheit tauschten Workshop-Teilnehmer und Leiter ihre Filmideen aus.

03.04.2012

Interviewtraining
In der ersten Hälfte des zweiten Workshoptags wurden die TeilnehmerInnen in Interviewtechniken eingeführt.
Zuerst wurde auf den Inhalt der Fragen eingegangen. Entscheidend ist nicht Fakten, sondern Einschätzungen und Gefühle zu erfragen.

Anschließend wurde auf formale Aspekte eingegangen.
Kameraarbeit: Über die Schulter des Interviewers filmen
Arbeit mit dem Mikro: Haltung, Reporterschlaufe
Nonverbales Feedback des Interviewers: Nicken, In die Augen schauen, sich zuwenden

In der zweiten Hälfte der Workshopeinheit formten sich aus den TeilnehmerInnen vier Gruppen und erarbeiteten Storyboards, nachdem zuvor die Grundzüge von zeichnerischen und textbasierten Storyboards vorgestellt wurden. Überraschenderweise entschieden sich drei der vier Gruppen für Themen über Menschen mit Behinderungen (Rollstuhlfahrer, Sehbehinderter, Kleinwüchsige). Eine Gruppe wollte einen Film über ein Mädchen mit einem außergewöhnlichen Berufswunsch (Bundeswehr) drehen.

In den darauffolgende 10 Wochen drehten die TeilnehmerInnen ihre Storyboards ab.

23.06.2012

Ziel des letzten Workshoptags war die Postproduktion der Reportagen. Nach einer kurzen Einführung in das Schnittprogramm Adobe Premiere CS5 erfolgte die Sichtung des Materials inklusive der Anfertigung eines Rohschnitts. Als Schwierigkeit erwies sich die zügige Anfertigung eines Rohschnitts, da die meisten Storyboards nicht ausgearbeitet geworden waren. Es stellte sich heraus, dass einige Gruppen kein klares Konzept vorliegen hatten. Daher musste mit Hilfe der Workshopleiterin im Nachhinein ein roter Faden durch die vorliegenden Filmclips gewoben werden. Nachdem der Rohschnitt fertig war, schrieben die Gruppen Sprechertexte und sprachen sie mit Hilfe eines Aufnahmegeräts und einem Schallschirm in einem getrennten Raum ein. Schließlich montierten sie den gesprochen Text auf den Film und fügten linzenzfreie Musik, die sie sich aus dem Internet downgeloaded hatten, hinzu.

„Ich habe nicht erwartet, dass Filme machen so kompliziert ist.“

Aufgrund der zum Teil nur rudimentär ausgearbeiteten Storyboards, entsprachen die Aufnahmen nur zum Teil den formal-ästhetischen Ansprüchen der Workshopleitung. Nach den beiden Workshoptagen wurden trotz mehrfacher Aufforderung die Storyboards nicht bei der Workshopleitung vorgezeigt. Daher wurde beim Dreh viel (falsch) improvisiert. Eine Gruppe positionierte die Interviewpartner ungünstig. Eine andere Gruppe setzte unbewusst viele Kameraschwenks an und zommte während den Aufnahmen. Allerdings waren viele Aufnahmen auch gut geplant und überlegt. Eine Gruppe lieferte viele Detailaufnahmen, die anschaulich in den Film montiert werden konnten. Eine andere Gruppe filmte ein Interview aus unterschiedlichen Perspektiven, die zu einer interessanten Melange montiert werden konnten. Insgesamt waren die Jugendlichen über den großen Planungsaufwand überrascht, die eine Reportage mit sich bringt. Marius (15): „Ich habe nicht erwartet, dass Filme machen so kompliziert ist. Jede Kameraeinstellung hat einen eigenen Namen und man braucht viele Stunden, um sich auf einen Dreh richtig vorzubereiten.“
Das Storyboard stellt für den Reportageworkshop ein Dilemma dar. Auf der einen Seite ist es mit der wichtigste Teil des Entstehungsprozesses. Auf der anderen Seite ist es der unattraktivste, weil theoretischste Teil. Für kommende Workshops wäre zu überlegen, ob eine vereinfachte Form eines Storyboards entwickelte werden könnte, die die Jugendlichen nicht überfordern, aber nichtsdestotrotz einen roten Faden für die Geschichte ergeben würde.

„Sie sind zwar anders, aber ihr Alltag ist ähnlich wie der von uns allen.“

Durch die Auseinandersetzung mit den selbst gewählten Themen ihrer Filme, konnten die TeilnehmerInnen stark profitieren. Insbesondere die Jugendlichen, die sich mit Menschen mit Behinderten auseinandersetzten, lernten völlig neue Lebenssituationen und Schwierigkeiten kennen, und machten Erfahrungen die sie in ihrem üblichen Alltag nie erlebt hätten. Dies veränderte ihren Blick auf Menschen mit Behinderungen. Nina (15): „Ich bewundere solche Menschen, weil viele trotz Schwierigkeiten, eine Menge positiver Energie haben“, sagt Nina.
Marius (15): „Sie sind zwar anders, aber ihr Alltag ist ähnlich wie der von uns allen, mit all seinen Pflichten, Freuden und Problemen.“
 

Projektträger
Kreisjugendring Rems-Murr e.V.
Marktstraße 48
71522 Backnang
Deutschland
Themenfeld
Region, Partner
Infos
Zuletzt geändert: 
25.07.2018 - 15:45
Inhaltstyp: 
projekt
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Video
Videoimpressionen aus dem Workshop
Raimund oder Wie ein Sehbehinderter seinen Alltag meistert
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